FOURbild
des Monats November – Astrid Gräve
Mit unserem neuen Format „FOURbild des Monats“ rücken wir Frauen in den Mittelpunkt, die uns inspirieren. Sie erhalten die Möglichkeit, sich und ihr Business vorzustellen – und so andere Frauen zu motivieren und zu stärken.
Wer Astrid Gräve kennenlernt – sei es persönlich oder durch ihre Worte – spürt sofort ihre besondere Mischung aus Klarheit, Empathie und echter Führungsstärke.
Als Leadership & Life Coach für Familienunternehmen begleitet sie heute Unternehmer:innen, Teams und Führungskräfte auf dem Weg zu mehr Verständigung, innerer Balance und kraftvoller Zusammenarbeit.
Was war der entscheidende Moment, der dich dazu motiviert hat, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen?
Den Anstoß dazu gab meine Steuerberaterin. Ich war schon seit 2007 nebenberuflich als Coach tätig, eher aus der Prämisse heraus, ich habe hier was cooles für mich gelernt, denn in meinen Ausbildungen ging es erstmal darum, „bei sich selbst“ Ordnung zu schaffen und alte Muster zu entdecken und zu lösen und habe Lust dies Wissen auch an andere weiterzugeben.
Ich habe das lange Zeit wie ein „Hobby“ gesehen. Ich liebte die Arbeit als Gebietsleiterin, ich liebte meine Kunden, viele davon Familienunternehmen, mit denen ich einen sehr guten und schon fast freundschaftlichen Kontakt hatte. Ich leitete verschiedene Teams, unter anderem ein Schulungsteam und auch Teams, die für Kurzzeitprojekte zusammengestellt wurden. Ich war als Referentin tätig, leitete Schulungen, ich war in ganz Deutschland unterwegs und fand meine Leben großartig. Das Coaching habe ich damals abends im Hotel per Telefon gemacht, das war herrlich.
Dann kam sie 2018 in einem Gespräch mit der Frage: „Wie lange willst du denn noch auf der „Straße“ unterwegs sein? Hast du mal daran gedacht, dich als Coach selbständig zu machen? Du wirst auch nicht jünger – so mit 58 Jahren auf der „Straße“ ist ja vielleicht auch nicht immer so prickelnd?“
Spontan antwortete ich … „Bist du wahnsinnig? Ich liebe meinen Beruf und mein Team, meine Kollegen, meine Kunden…Nein auf gar keinen Fall !!“ Und was mir damals auch klar wurde war, ich liebte auch meine Sicherheit 😊)
Doch es kam anders … der Gedanke ließ mich nicht mehr los und immer wieder kreuzte diese Frage meine Gedanken. „Doch noch mal was Neues wagen?“ Ich war unsicher … Auf dem Rückflug aus einem Urlaub, in dem ich viel darüber nachgedacht und viele PRO und CONTRA abgewogen habe und es für beide Seiten genug Argumente gab, schaute ich aus dem Fenster, Landeanflug Düsseldorf und es kam ein Blitzgedanke: „WENN ICH ES JETZT NICHT MACHE, MACHE ICH ES NIE UND ICH WILL NICHT IN IRGENDWANN IN DEN SPIEGEL SCHAUEN UND DENKEN, WAS WOHL GEWORDEN WÄRE, WENN ICH DAMALS GESPRUNGEN WÄRE?“
Das war im Sommer 2018. Am nächsten Tag habe ich gekündigt zum 31.12.2018 und seit dem 1.1.2019 bin ich 100% selbständig und habe es keinen Tag bereut.
Was waren die größten Herausforderungen beim Start in die Selbständigkeit und wie hast du sie gemeistert?
Nach dem die Entscheidung gefallen war, kamen die Selbstzweifel, „hast du das auch richtig entschieden?“ „was ist, wenn das nicht funktioniert?“ „bin ich wirklich gut genug“ „schaffe ich das wirklich“– das gesamte innere Orchester, der Selbstzweifel, der Unsicherheit stand direkt in meinem Kopf und in meinen Ohren. Das Orchester zu managen, die Gedanken zu haben und doch dem zu folgen, was ich vorhatte, das war eine große Herausforderung.
Natürlich auch pragmatische Dinge, wie Kundengewinnen, sich mit Social Media auseinander zu setzen, sichtbar zu werden und auch mich mit finanziellen Themen zu beschäftigen, die ich vorher als Angestellte gar nicht im Bewusstsein hatte. -heute rückblickend sage ich, gut dass ich nicht alles im Vorfeld wusste, denn ich glaube ein wenig, ich nenne es hier liebevoll „Blauäugigkeit“ eben nicht alles bis ins Kleinste zu wissen, aber mit einer Idee und einem Mehrwert für die Menschen unterwegs zu sein, die Absicht für Das Erreichen eines Zieles, das ist die wichtigste Voraussetzung.
Was ich auch jedem mitgeben möchte, ist, sich selbst erlauben Fehler zu machen und nicht den Anspruch zu haben alles richtig und perfekt zu machen.
Das macht vieles leichter und mit jedem Schritt wächst das Selbstvertrauen und die Zuversicht.
Meine Erfahrung gerade in der Selbständigkeit ist, dass sich viele Dinge, die heute gut und richtig sind, auch schnell mal ändern können, wichtig ist, sich schnell auch neu anpassen zu können und ich habe schon einige Dinge geplant und wieder verworfen, weil es sich auch einfach nicht stimmig anfühlte, folge dir und deinem Gefühl, dem, was du in die Welt bringen willst und dir Freude bereitet.
Und suche dir Menschen, die Dich unterstützen, mit denen du dich austauschen kannst. Ich habe definitiv damit zu lange gewartet. Gerade als Soloselbständige ist es so hilfreich mit Menschen im Austausch zu sein, die auch selbständig sind oder schon 1,2 Schritte weiter, damit wir miteinander und voneinander lernen können. Zu wissen du bist nicht allein und hast Menschen, mit denen du dich austauschen kannst, ist Gold wert.
Hast Du eine persönliche Erfolgsgeschichte oder einen Meilenstein, der Dich besonders stolz macht?
Mein Meilenstein, der mich auf einen völlig anderen Weg gebracht hat, war im Jahr 2000 die Erkrankung an einem schweren Burnout mit über 1 Jahr Klinikaufenthalt – heute bin ich zutiefst dankbar für diese Erfahrung, denn das war DER Gamechanger in meinem Leben.
Ich war das „fleißige Bienchen“ was immer für alle anderen da war, sich selbst in die zweite Reihe stellte und sich damit völlig überforderte. Ich ging Konflikten aus dem Weg. Ich kannte keine Grenze, ich galt als Fels in der Brandung und fand das natürlich auch toll, denn ich bekam viel Anerkennung und war auch beliebt und erfolgreich, doch innen drin war ich ….. leer.
Als mir in der Klinik die Frage gestellt wurde, „Frau Gräve wenn sie sich was wünschen dürften, was würden sie sich wünschen“ … ich wusste keine Antwort – ich verstand die Frage nicht mal, so sehr hatte ich mich selbst hintenangestellt, alles und jeder war wichtiger als ICH.
Das änderte sich dann Schritt für Schritt – ich habe in Therapien immer mehr über mich verstanden, wer ich bin und was dazu geführt hat, dass ich diesen Weg gegangen bin. Das war schmerzhaft und heilsam. Ich lernte Nein zu sagen, Konfliket als Chancen zu sehen, Grenzen zu setzen und mit mir achtsam zu sein und mir selbst wieder zu vertrauen und mich wieder des Lebens zu freuen.
Als ich wieder gesund war, wollte ich mehr wissen und lernen und habe mich auf den Weg gemacht und mit Coaching angefangen, hier habe ich nochmal mehr über mich und „meine inneren Konflikte“ verstanden und auch woher kommen Glaubensätze, was haben sie für Auswirkungen und wie kann ich negative Glaubensätze wandeln und mein Leben aus einer völlig neuen Perspektive sehen, die vieles so viel leichter macht. Ich wusste sehr schnell, das will ich lernen und mehr in meinem Leben umsetzen … was ich heute mit wachsender Begeisterung in meiner Selbständigkeit tue.
In der Klinik haben mir alle gesagt, du musst beruflich kürzertreten, damit dir das im Außendienst nicht nochmal passiert. Ich dachte, da ist genau das, was ich gerne mache, und da will ich wieder hin … was ich auch einige Zeit später wieder gemacht habe, aber mit einer völlig anderen Haltung, die ich im Coaching gelernt habe. DENN der Job an sich war nicht der Auslöser für den BurnOut, sondern meine innere Haltung und meine mir nicht bewussten Überzeugungen, nach denen ich wie ein Autopilotgelebt habe. Da gilt es hinzuschauen.
Darauf, dass gemeistert zu haben und heute selbstbewusster zu sein, sogar erfolgreich selbstständig, darauf bin ich super stolz.
Ist das eine Heldinnengeschichte – ich weiß es nicht, doch es ist meine Geschichte, die ich gerne teile, um zu verdeutlichen in uns steckt soviel mehr als wir ahnen, wenn wir uns erlauben unsere Gedanken und Überzeugungen zu prüfen, ob sie dienlich sind oder nicht.
Und unsere wahre Stärke liegt im INNEN.
Was würdest Du heute anders machen, wenn du nochmal von vorne anfangen könntest?
Ganz klar – Ich würde sofort Kontakt zu Netzwerken machen. Der Austausch, wie hier im FOUR Network ist Gold wert. Ich habe sehr lange allein zu Hause gesessen, durch Corona veränderte sich die Arbeit ja komplett online, was ich sehr schätze und liebe und doch – ich kam aus dem Außendienst immer viele Menschen jeden Tag um mich herum, daraus erstmal wenig Kontakte zu anderen Selbständigen in meinem direkten Umfeld hier in Münster. Am Anfang fiel mir das gar nicht so auf, ich hatte zu tun und fand es auch erstmal herrlich entspannt die ruhigere Seite zu genießen, doch irgendwann merkte ich, mit wem kann ich mich eigentlich mal austauschen? Wer kennt auch meine Herausforderungen? Und wie kann ich neue Kontakte in meinem Umfeld knüpfen und auch mal wieder aus meinem Büro herauskommen und mit „Menschen echt, life und von Angesicht zu Angesicht“ sprechen?
Dann habe ich FOUR Network auf Instagram gesehen, den Coffeetalk auf dem Markt … und dachte – das hört sich gut an und mit der Idee kam die Entscheidung und heute freue ich mich über all die wundervollen Frauen und Kontakte, den Austausch und Verbindungen, die daraus entstehen, beruflich wie persönlich.
Hast Du ein Vorbild oder eine Mentorin, die dich auf deinem Weg begleitet?
Vorbild in dem Sinne eher nein, ich finde Frauen großartig, die zu sich stehen und die ihren Weg gehen. Eine dieser Frauen ist Diane Keaton leider im Oktober 2025 plötzlich verstorben, sie war für mich eine Frau, die ihren Weg ging, mit Klarheit; Herz und viel Humor. Ihre Filme sind für mich meisterlich. Und auch Frauen, die etwas bewegt haben, kürzlich habe ich eine Dokumentation über Frauen in Island gesehen. Die in den 60er Jahren für Gleichberechtigung auf die Straße gegangen sind, das war sehr spannend. Ich schätze alle Frauen, die sich mutig auf neue Wege machen, die Ihre Mission, Ihr Wissen in die Welt bringen und etwas bewegen wollen.
Und ich habe immer auch einen Coach an meiner Seite oder Menschen, mit denen ich immer wieder etwas Neues lernen, sei es im Bereich Technik, neues lernen oder auch um meine „noch blinden Flecke“ herauszufinden und zu ändern.
Wie wichtig ist dir der Austausch mit Gleichgesinnten in einer Gemeinschaft wie dem FOUR network?
Sehr wichtig! Das kann ich jedem nur empfehlen. Ich habe viel zu lange allein in meinem „Kämmerchen“ gesessen.
Ein Treffen mit Gleichgesinnten, ehrlicher Austausch, Inspiration, ein Gespräch auf Augenhöhe, Spaß und Freude am Miteinander – wo Geschäftliches und Menschliches miteinander verknüpft werden kann ist so ein Mehrwert für ALLE.
Ich liebe den Coffeetalk am Mittwoch und auch den Supper Club und viele andere schöne Events. Zeit mit tollen Frauen, mit inspirierenden Gesprächen, wo sich jeder ehrlich zeigen kann und es immer ein wertschätzendes Miteinander ist und kein „EGO -Tanz“.
Gerade hier ist es ein wundervolles Miteinander, ein Geben und Nehmen und das ist für mich Netzwerken. Mit Spaß und Freude im Miteinander austauschen, die Ideen eines jeden auch weitertragen und so könne wir alle miteinander gewinnen.
Welchen Tipp würdest du deiner besten Freundin geben, die mit dem Gedanken spielt, sich selbständig zu machen?
GO FOR IT! Mach es – auf jeden Fall. Trau dich, sei mutig.
Netzwerk wichtig – wie hier das FOUR Network, verbinde dich mit anderen Menschen, die auch auf ähnlichen Wegen sind.
Tausche dich aus mit anderen, denn allein zu wissen, du bist nicht allein, da draußen sind sooooo viele andere, die ähnliche Herausforderungen haben und diese schon gemeistert haben, heißt du kannst das auch!
Habe ein Ziel und eine Vision, wozu muss die Welt dich kennenlernen? Erlaube dir Fehler zu machen und denke immer daran, „Selbständigkeit ist ein Marathon kein Sprint“, jeden Tag Schritt für Schritt weiter, auch wenn es noch nicht perfekt ist.
Lerne jeden Tag dazu – und freue dich über jeden Wachstumsschritt und feiere ihn.
„Führung beginnt da, wo du aufhörst, dich selbst zu verurteilen.“
Was bedeutet Erfolg für dich?
Erfolg ist für mich auf unterschiedlichen Ebenen, das ist der finanzielle Erfolg, der Erfolg etwas Neues zu probieren und es funktioniert, der Erfolg etwas zu bewirken, der Erfolg anderen helfen zu können und sie haben daraus auch wieder Erfolg mit ihren Dingen.
Der größte und schönste Erfolg ist, wenn ich in die strahlenden Gesichter meiner Kunden sehe und sie aus einem inneren oder äußeren Konflikt etwas Positives erreicht haben.
Wenn eine Führungskraft vor mir sitzt und mir sagt, „jetzt verstehe ich mich viel besser und weiß auch, warum ich mit XY immer im Stress bin, und kann es jetzt ändern“ „Unsere Kommunikation ist so viel besser geworden und die Stimmung ist deutlich offener und herzlicher geworden.“
Wenn meine Kunden Ihre Ziele erreichen, ihre Ergebnisse verbessern und das mit mehr Leichtigkeit und Spaß.
Wenn aus einer gestressten Inhaberin eine souveräne und selbstbewusste Chefin wird und ihr Team neu steuert und mir schreibt – „ich bin im Urlaub und mein Team schickt mir ein Foto mit langem Kassenbon und alle strahlen um die Wette, ich glaube ich verlängere den Urlaub“
Und Erfolg ist für mich auch finanzieller Erfolg, der Ausgleich für unser Aller Tun.
Erfolg ist für mich auch mir besondere Dinge leisten zu können und auch großzügig Unternehmungen, die mir am Herzen liegen unterstützen zu können.
Wie zum Beispiel den Tierschutz, Unternehmen, die sich für Kinder einsetzen usw.
Erfolg ist in mir, dass ich meinen Weg gehe, und dranbleibe.
Erfolg ist für mich, meine Vision von wertschätzender, klarer und vertrauensvoller Führung in die Welt zu bringen, in der Konflikte zu Chancen werden und Dialoge im Miteinander statt übereinander stattfinden.